Hexenverfolgungen

In Süddeutschland wurden bei Hexenverfolgungen zwischen etwa 1520 und 1650 n. Chr. ungefähr 9.000 Menschen als Hexe oder Hexer hingerichtet, davon rund 80 % Frauen. Europaweit starben etwa 50.000, ca. drei Millionen wurden „nur“ beschuldigt oder angeklagt, aber nicht verurteilt. Die Verfahren waren fast immer von Folter begleitet und führten trotz Freispruch zu schweren körperlichen und seelischen Schäden.
Durch die große Menge an Betroffenen war die Bedrohung für Frauen allgegenwärtig. Jede konnte ins Visier geraten – besonders jene, die soziale Normen überschritten. Die ständige Angst wirkte als Disziplinierungsinstrument und verstärkte den Anpassungsdruck.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung

Parallel zu den Verfolgungen wurden Frauen Rechte entzogen

1.) Kontrolle über weibliche Körper+ Verbot von Verhütung

1484 erließ Heinrich Kramer die päpstliche Bulle Summis desiderantes affectibus, die sogenannte Hexenbulle.
Sie drohte die Todesstrafe jenen an, die „die Geburten der Weiber umkommen machen“ – traditionelles Wissen über Verhütung und Abtreibung wurde damit kriminalisier

2.) Wirtschaftliche Entrechtung

Quelle: Silvia Federici, „Caliban und die Hexe“

Im frühen Mittelalter waren Frauen in Zünften, in vielen Berufen vertreten und hatten eigenen Besitz. Ab dem 13. Jahrhundert verschlechterten sich die Bedingungen.

Mit der Aufteilung der Allmende verloren vor allem Frauen zentrale Lebensgrundlagen und gerieten zunehmend in die rechtliche und wirtschaftliche Abhängigkeit von Männern.

3.) Ausschluss aus Öffentlichkeit und Politik

Quelle: Turandot-Verlag, „Zur Stellung der Frau im Hochmittelalter“

Frauen waren systematisch von öffentlichen Ämtern und politischen Entscheidungen ausgeschlossen. In vielen Regionen durften sie nicht auf Versammlungen sprechen oder in Gemeindefragen ihre Meinung äußern.

Hexenverfolgung – Frauenunterdrückung oder Krisenreaktion?

Ältere Theorien (Federici, Heinsohn/Knieper/Steiger) interpretierten die Hexenjagden als bewusstes Machtinstrument zur Unterdrückung von Frauen.
Die neuere Forschung sieht sie eher als Reaktionen auf Krisen – ausgelöst durch Missernten, Krankheiten, soziale Spannungen. „Hexen“ dienten als Sündenböcke.

Unstrittig ist jedoch: Die Verfolgungen verstärkten bestehende Prozesse der Entrechtung. Sie erhöhten den sozialen Druck auf Frauen und erleichterten die gesellschaftliche Akzeptanz wachsender Abhängigkeit. 

Und es wirft die Frage auf, was in Zeiten von Klimawandel, Wirtschaftskrisen und existentiellen Nöten auf uns zukommen könnte. Werden es wieder die Rechte der Frauen sein, die eingeschränkt werden?

Das Muster ist alt und wiederholt sich weltweit.

Mesopotamien:
Gerda Lerner (The Creation of Patriarchy) zeigt, wie patriarchale Strukturen durch Eigentums-, Familien- und Religionsnormen gefestigt wurden.
Gesetz: Widerspricht eine Frau, sollen ihr die Zähne mit einem Ziegelstein ausgeschlagen werden – ein Weg in ein qualvolles Leben oder den Tod.

Griechenland:
Frauen waren von politischen Rechten ausgeschlossen.
Beispiel: Theoris of Lemnos, Heilerin mit unehelichen Kindern, wurde wegen Hexerei und Gotteslästerung mit ihren Kindern hingerichtet.

Indien:
In der frühvedischen Kultur verloren Frauen Zugang zu Bildung, religiösen Ritualen und Erbrecht. Witwen durften nicht wieder heiraten; später entstand die Praxis der Witwenverbrennung.

Islamische Kulturen:
Das System der Purdah (Verhüllung, räumliche Segregation) schränkte Bewegungsfreiheit und soziale Teilhabe über Jahrhunderte stark ein.

Abbasidenzeit (8.–12. Jh.):
Frauen, die Normen widersprachen (z. B. Zina-Gesetze, Verstöße gegen Purdah), wurden mit Steinigung, Auspeitschung, Verbannung oder sozialer Ächtung bestraft.

Osmanische Provinzen (15.–16. Jh.):
Frauen, die sich gegen Zwangsehen wehrten oder eigenständig vor Gericht erschienen, mussten mit Verhaftung, körperlichen Strafen oder Übergabe an männliche Verwandte rechnen (dokumentiert in Qadi-Gerichtsakten/Sijillat).

Bezug zum Roman „Merah – Welt der Frauen“

Was hier als historische Begebenheiten erscheint, wirkt in der Welt von Merah weiter. Die Mechanismen, die Frauen einst vom öffentlichen Leben, vom Erbe, von Bildung und dem Recht auf eigene Meinung ausschlossen, haben weltweit abgenommen. Nicht so in Merah. Allerdings haben sich dort die Männer unterzuordnen. Die Begründung ist folgende: Sie hatten auf der Erde den überwiegenden Anteil am Leid der Menschheit, indem sie zu ihrem eigenen Wohl Kriege und Gewalttaten ausübten. Ihr Aggressionspotential, das durch ihre Hormone bedingt ist und in der männlichen Natur liegt, muss gezügelt werden – zum Wohle aller. Und natürlich ist es der Wille der Göttin! Womit alle Diskussionen darüber ein für alle mal zum Schweigen gebracht werden.

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