Gewalt gegen Frauen – ein weltweites strukturelles Problem
Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen und keine historische Ausnahmeerscheinung, sondern ein global verbreitetes gesellschaftliches Problem mit massiven Auswirkungen auf Millionen von Betroffenen.
Globale Dimension der Gewalt gegen Frauen
Weltweit haben schätzungsweise 840 Millionen Frauen im Laufe ihres Lebens körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch einen Intimpartner oder andere Täter erlebt.
Das entspricht etwa 1 von 3 Frauen weltweit.
Allein im letzten Jahr waren rund 316 Millionen Frauen (11 % der Frauen ab 15 Jahren) körperlicher oder sexueller Gewalt durch einen Intimpartner ausgesetzt.
Fazit: Gewalt gegen Frauen ist keine Einzeltat, sondern ein strukturelles und massiv verbreitetes gesellschaftliches Problem.
Quelle:
WHO – Lifetime toll: 840 million women faced partner or sexual violence
🔗https://www.who.int/news/item/19-11-2025-lifetime-toll–840-million-women-faced-partner-or-sexual-violence
Situation in Lateinamerika
Im Jahr 2013 führte die Pan American Health Organization (PAHO) in zwölf lateinamerikanischen Staaten eine Studie über physische und sexualisierte Gewalt gegen Frauen durch.
Anteil der betroffenen Frauen:
• Bolivien: 53 % aller Frauen, darunter 34 % der minderjährigen Mädchen
• Kolumbien und Peru: rund 40 %
• Ecuador: 32,4 %
• Nicaragua, Guatemala, El Salvador: 26–29 %
• Jamaika, Paraguay: etwa 20 %
• Haiti, Dominikanische Republik: 17–19 %
Quelle:
PAHO-Studie (Zusammenfassung)
🔗https://www.dandc.eu/de/article/bolivien-hat-die-meisten-faelle-von-gewalt-gegen-frauen-ganz-lateinamerika
Institutionelle Hürden und fehlende Strafverfolgung
Frauen, die bei der Polizei Hilfe suchen, erleben häufig Ablehnung oder Gleichgültigkeit. Gewalt wird verharmlost, von Anzeigen wird abgeraten, und Betroffenen wird nicht selten eine Mitschuld zugeschrieben.
Staatsanwälte reagieren vielfach nur dann, wenn die Betroffene anwaltlich vertreten ist – was für viele finanziell nicht möglich ist.
Selbst wenn Anzeigen erstattet werden, kommt es selten zu Gerichtsverfahren – und noch seltener zu Verurteilungen.
Beispiel Bolivien:
Zwischen Januar 2013 und November 2014 wurden 206 Frauenmorde registriert.
Nur acht Täter wurden verurteilt.
In rund 60 % der Fälle war der Täter der (Ex-)Partner der Frau.
Als häufigster Auslöser wurde Eifersucht genannt.
Femizide – die extreme Form der Gewalt
Nach aktuellen globalen Schätzungen wurden im Jahr 2024 rund 50.000 Frauen und Mädchen von ihrem Partner oder einem Familienmitglied ermordet.
Das entspricht etwa 60 % aller absichtlichen Tötungen von Frauen und Mädchen weltweit.
Zum Vergleich:
Nur etwa 11 % der männlichen Opfer von Tötungsdelikten werden von nahen Angehörigen oder Intimpartnern getötet.
Das bedeutet durchschnittlich etwa 137 Femizide pro Tag – nahezu alle zehn Minuten wird eine Frau im familiären oder partnerschaftlichen Kontext getötet.
Quelle:
UN Women – Femicides in 2024: Global estimates
🔗 https://knowledge.unwomen.org/en/digital-library/publications/2025/11/femicides-in-2024-global-estimates-of-intimate-partner-family-member-femicides
Bezug zum Roman "Merah - Welt der Frauen"
Hast du dich beim Lesen gefragt, ob diese Szene übertrieben ist? Ob die Gewalt, die in Mera von einer Frau ausgeht und sich gegen einen Mann richtet, nicht vielleicht seltsam oder unglaubwürdig wirkt? Das ist verständlich. Wir sind es gewohnt, Gewalt anders verortet zu sehen. Wenn sie sich gegen einen Mann richtet, erscheint sie ungewohnt – fast irritierend.
Doch auch in unserer heutigen Realität ist Gewalt nichts, das selbstverständlich „nur die anderen“ betrifft. Wir nehmen sie nur unterschiedlich wahr. Historisch war Gewalt gegenüber sozial niedrig gestellten Frauen keineswegs außergewöhnlich, sondern oft erschreckend normalisiert. Machtverhältnisse bestimmten, wessen Leid gesehen wurde – und wessen nicht.
Und vielleicht fragst du dich: Ist Creosa nur ein extremer Einzelfall? Eine Ausnahme? Eine erzählerische Zuspitzung?
Oder zeigt Mera eine Welt, die uns den Spiegel vorhält?
Ist auf Mera wirklich alles besser als auf der Erde –
oder nur anders verteilt?

